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Luft und Hauch

Blog Single

SEPTEMBER 23/1 # luft und hauch


7.9.2023

So schön sich das anhört und so wichtig man es auch zu nehmen mag, mit der Empathie und mit der Fähigkeit, diese zu entwickeln und aufzubringen: 

da ist keine Möglichkeit, das zu fühlen, was ein anderes Subjekt fühlt, kein vermeintliches Potential an „Einfühlung“ in das Sensorium eines anderen.

Jeder fühlt das, was er fühlt, in seiner Situation, seiner Situiertheit, seiner Lebenswelt und Konfrontiertheit.


Da-Sein in Situation konfrontiert, trägt die Grundzüge von Begegnung und Zuruf, und wird als fließend und dynamisch empfunden, wodurch sich unmittelbar Selbstheit entfaltet, die angegangen ist und auf den Zuruf antwortet, losgelöst von „Willensakten“ oder Vorsatz - das Befinden in und von Konfrontiertheit trägt als Solches schon das Merkmal des Gesprächs in sich, das jeweilig (für alle Beteiligten individuell vorhanden) ist, nicht aber wesentlich jemeinig.


Das, was geteilt wird oder werden kann, grundsätzlich und tiefenfundiert, über ALLE Unterschiede und jede Meinhaftigkeit hinaus, ist nicht das „Gefühl“, sondern die Situiertheit, insofern, als jede Einzelsituation struktureller Bestandteil („Moment“) der einen Grundsituation ist, wie immer man diese auch wahrnehmen, objektivieren oder artikulieren mag ( Dasein, Existenz, Leben …).


Emphase, „ein-bzw. mit-fühlen“ oder gar „mit-erfahren“, entspringt einem Vorstellungsakt, der sich eben dort verankern lässt - in den Bereichen der Vor-stellung, der „Ver-setzung“ in etwas hinein, wobei das, was zu versetzen wäre, um überhaupt Annäherung zu finden, an die Situation des anderen, an dessen Erleben, Erfahren und Perspektive, das gesamte Spektrum des Wahrnehmungsgeschehens umfasst, das gesetzte und tragende ICH ebenso, wie den vollen Umfang der fremden Situiertheit. (Hermetik, siehe BLOG „Neue Wirklichkeit“, hygiagogik.com)

Um Erfahrung und Erleben eines anderen zu teilen, um „mitzuerfahren“, „mitzuerleben“, oder „mitzufühlen“, muss ich IN dessen Situation sein, oder ALS das ALS seiner Situation und Rahmenkonzeption leben, mich und mein Erleben vor dessen Horizonten und Hintergründen akzentuiert und artikuliert sehen.


Siehe das Phänomen Gesundheit. Um diese tatsächlich zu verstehen, besser noch, zu SEHEN, muss ich IN DER Gesundheit leben. Es lässt sich etwas nur ALS ETWAS erfahren und sehen, in eigentlichem, hermetischem Sinne.

Es muss das jeweilig waltende Grundprinzip in sich entwickelt werden, um Wirklichkeiten zu begehen und zu erleben. Gesundheit sehen und erfahren lässt sich insofern, als in mir die Wirklichkeitsform der Gesundheit entwickelt ist - die Vielstimmigkeit - wenn das ALS meines Erfahrens und Erlebens anhand der jeweiligen Grundprinzipien aufgebaut und darauf ausgerichtet ist. 

Es ist eine vorstellende, gedankliche oder willentlich-„machende“ Beiwohnung fremder Situiertheit und Wirklichkeit nicht möglich. Aus diesem Grund bleibt vieles „fremd“, was „nahestehen“ sollte - es bleibt des Sehens und Erlebens, der Erfahrung und dem Verstehen verschlossen.


Die Freude oder die Trauer des anderen kann ich nicht „verstehen“, weil ich sie nicht „habe“, weil sie meiner Situation nicht anhängig oder dadurch ausgezeichnet ist. Wenn ich „Mitleid“ empfinde, so ist dieses nicht das Leid des mir leidend Begegnenden, sondern mein Leiden, welches ich in meiner Situation empfinde, wohl aus der Konfrontiertheit mit dem Fühlen des anderen, weil es mich angeht, weil mich das Befinden des Gegenüber betrifft, es ergreift mich aber nicht dessen Leid, sondern meines, welches mich situiert an-geht.

Gefühl und Ergriffenheit lässt sich nicht denken und auch nicht machen oder „herstellen“, es kommt zu mir, über mich, es ist im Kommen begriffen und durchleuchtet meine Situiertheit, als das ALS meiner Wirklichkeit.

Eine idemische Situation ist stets von selber kommend, dort, wo Situationen Durchlässigkeit und Offenheit für andere bewahren, wo sich eine gemeinsame, „höhere“ Situation ergibt, indem sich dieser sozusagen wechselseitig anvertraut oder überlassen wird.


In Momenten höchster Intimität, des Offen- und Gelassen-Seins, stellt sich das reine, idemische Geschehen manchmal ein. Es hat dann den Anschein, als übertrage sich das Fühlen des einen auf den anderen. Letztlich ist es die tiefenfundiertere Situation, die ein Geschehen zu einem gemeinsamen Erleben hebt, die mehrere Selbstheiten transsituativ umschließt.

Dies lässt sich nicht durch Akte des Bemühens um „Ein-Fühlung“ provozieren, weil gerade jene Bemühung zu meiner Situation wird, die sich verfestigt, sich abriegelt und mich in ihr fixiert.


Ich kann versuchen, mir vor-zu-stellen, was mein Gegenüber fühlt und empfindet, was dieser aber tatsächlich erfährt und was ihm in seiner Situation begegnet und ihn betrifft und angeht, womit er sich konfrontiert sieht und wie er das emp-findet, das bleibt mir vor-enthalten.

Ich fühle meine eigenen Gefühle, ich befinde mich in meiner eigenen Situation.

Nur - jede Einzelsituation ist Moment einer Grundsituation, der einen Grundsituation, die wir allerdings teilen.


Wo Unterschied, Unterscheidung und Trennung (noch) nicht grundprinzipiell waltend sind, IM und AM GRUNDE von Erlebnis und Geschehen, oder wo die Unterschiedlichkeit in offener Bereicherung - als Einzigartigkeit -  hervorgehoben und durchlässig akzentuiert ist - da schlägt die Grundsituation im Handeln aller situiert Beteiligten durch, einfach so, von selbst, ohne den Nachtrag einer erst noch heranzuziehenden Emphasebemühung.

Ein reines Geschehen erhellt sich in und aus konkreativen Momenten, die alles Lebendige (Welt, Mensch, Natur, Wirklichkeit) umfassen und die Ungeschiedenheit nicht etwa „machen“ oder (handelnd) herstellen, da sie diese in Grundzügen und immer ALS Solche SIND.


8.9.2023

Das meinte ich, als ich bei der „Neufassung der Gesundheit“(Teil 2/3) davon sprach, dass innerhalb der Strukturen einer Gemeinschaft eigentlich jeder für die Gesundheit und das Wohl des anderen und des Ganzen seiner Soziotope mitverantwortlich zu machen ist, und umgekehrt: jede Sozialgemeinschaft ist mitverantwortlich für den Einzelnen, weil jedes Einzelne im Ganzen und das Ganze in jedem Einzelnen ist (…und insofern Jegliches in Jeglichem und Alles in Allem - Omnia in Omnibus -Nikolaus Cusanus).


Das ursprüngliche und umfassende Ganze, das „Dasein“ selbst, das „All-Leben“, verweist auf Angang, der eigentlich nicht reduzierbar ist, nicht zu sublimieren auf kleinere Einheiten wie Nation, Region, Dorf, Familie oder Verwandtschaft - und wenn, dann nur unter vor-genommener Betrachtung und Berücksichtigung des Ganzen.

Was bedeutet, dass die Verwobenheit des grundphänomenalen Geflechts von Konfrontiertheit - Betroffensein - Angang sich sagittal auslegt und eine genuine Verantwortlichkeit erhellt, die weder abzusprechen, noch zuzuteilen wäre, INDEM sie Wesensverfassung alles Lebendigen, wenigstens aber alles Menschlichen IST.


Die Lebenswelten der Menschen entwerfen sich stets in und anhand der Welt-und Menschenbilder, die zeitgemäß zugrundeliegen. Wir unterlassen es, unserer Zeit ein ihr gemäßes Welt-und Menschenbild auszulegen, anhand dessen sich Selbstbild, Zueinander und Begegnung adäquat und humanitär in eigentlichem Sinne (s.u.) ausgestalten ließe.

Es würde dann eine avisierte „Gleichstellung“ nicht Gefahr laufen, eine „Gleichmacherei“ zu sein, die die Einzigartigkeit der Erscheinungen einzuebnen droht.


Ende des 19.Jahrhunderts entfaltete sich das Grundphänomen Lust (anhand der sich entwickelnden Psychologie), um seine Wirklichkeitsform auszugestalten und 

die Lebenswelten zeitgemäß anzureichern. Lust ist aber nicht DAS, sondern eines von vielen Grundphänomenen. 

Vielleicht ist der gegenwärtige Hedonismus nur Begleiterscheinung von Überindividualisierung und Egozentrisierung, die jeweils sich auslegen und ausbreiten konnten, anhand dieses immer noch waltenden Grundprinzips.


Die Überzeugung, überhaupt irgendetwas „zu Ende gedacht“ und endgültig entschlüsselt zu haben, trägt das Merkmal der Borniertheit in und mit sich, verweist auf die völlig irreführende Anmaßung, Lebendiges befinde sich in einem „Zustand“, welcher (final) konstatiert und fest-gestellt sein kann.

Das, was in teilnehmender Beobachtung beschrieben werden kann, ist die Erscheinung von dynamischen Prozessen in deren Zeitgemäßheit, eine perspektivische und immer nur geschichtliche Erscheinungsform dessen, was sich in einer (in genau dieser) Situation zeigt und was sich insofern und anhand dessen erhellen und heben lässt.

(So und in diesem Sinne sind auch alle Aussagen und Überlegungen an dieser Stelle gemeint und bestenfalls aufzufassen.)


Im Prinzip bedeutet dies, dass außer-oder unterhalb dieser Grundlegung sich Argumentation und Diskussion nur dann begründen lässt, wenn Bereicherung, Steigerung oder überhaupt und mindestens auch nur Verständigung intentional waltend sind.

Die Anmaßung dieser These begründet sich im Schutz der fragilen Differentialinterpretation, die sich andernfalls einem ausschneidenden Lichtkegel ausliefert, der seinen Kausalnexus stets den „Sachen“ überstülpt und seine Beleuchtung in eigener Sache auf etwas wirft und bündelt, was ihm gemäß und entsprechend erscheint.


9.9.2023

Wo war ich?

Menschenbilder. 

Wenn also immer noch und wieder von einer -biologistischen- „Apparatur“ ausgegangen wird, die den eigenen Instinkten und Trieben zu folgen hat, dann folgen wir eben den eigenen Instinkten und Trieben, wie seit Ende des 19. Jahrhunderts. 

Dann müssen wir den Umweg einer konstruierten Emphasefähigkeit gehen, um irgendwie Gemeinsamkeit herzustellen, rückwirkend, nachträglich, vorstellend. 

Dass daran -offensichtlich, sich zeigend-  gescheitert wird, liegt nur epiphänomenal an einer Abstumpfung des Einzelnen, der sich einfühlend schwertut, sondern im Grunde an der Borniertheit.

… der Institutionen und seiner Träger, an einer Wissenschaft, die sich gleichzeitig überschätzt und elitär kleinhält, und an einer Philosophie, die aufgehört hat, praktikable Entwürfe - pragmatisch, eingreifend und mithandelnd - bereitzustellen, die keine Phänopraxie mehr ist, nur theoretisierte und ausschnitthafte Wirklichkeits-Abschilderung.

(Aber die Institutionen sind wir selbst, ebenso wie „das fehlerhafte System“…)


Philosophie soll höhere (weil tiefenfundiertere) Seinsmöglichkeiten des Wirklichen etablieren und evident werden lassen, vielmehr noch: SEIN lassen.

Eben insofern ist „Gesundheit als Grundphänomen“ 

(dreitieiliger BLOG auf hygiagogik.com) angelegt, als Versuch einer phänopragmatischen Auslegung einer GEGENWÄRTIG wirklich werdenden Vielstimmigkeit, einer Gesundheit, deren (vielstimmige) Wirklichkeit die geschichtlichen und dieser Zeit gemäßen Anforderungen nicht eben abbildet, sondern diese in höherer Verfasstheit erst ausgestaltet, sowie und somit denk-, erfahr- und lebbar sein lässt, individuell und kollektiv.


Jedes Phänomen -und vor allem jedes Grundphänomen- betreibt Selbstentfaltung(strukturontologisch), in geschichtlicher Prozessualität.

Ebenso, wie die menschliche WAHRNEHMUNG ihre Seinsverfassung erst entwickeln und erweitern musste (frei nach Rombach), von einer anfänglich noch vorherrschenden und dominanten Struktur des (bloßen) ERKENNENS, hin zu einer dem Menschen gemäßeren SENSIBILITÄT, des Fühlens und Empfindens als sensorische wie leibliche Momente, die für das Phänomen (Wahrnehmung) bedinglich und (ebenso) letztgebend sind, um die empfindende Wahrnehmung eine Modalität der Wirklichkeit werden zu lassen, um gehobene Formen des Erkennens und Erfassens aisthetisch-sensitiv-sensibel anzureichern, so wird auch das (Grund-)Phänomen Gesundheit, in seiner derzeitig waltenden Geschichtlichkeit, sich in Richtungen zu entfalten und erhellen haben, deren Selbsthebung vielstimmige Prozesse von Gespräch, Weg und Wandel, und konkreativer Gestaltung etabliert - als Grundzüge des (gesundheitlichen) Selbstverständnisses des Menschen zu Beginn des 21. Jahrhunderts - und somit des Bezogenseins auf-und untereinander.

Es muss ausgelegt werden, was artikuliert sein soll, was geltend werden soll.


Stimmen zu erheben, denen daran gelegen ist, zu einem übergeordneten Gelingen beizutragen, verständigend und etwas sichtbar werden lassend, dessen Sein stets nur als ein Werden aufzufassen ist, neue Wirklichkeit zu heben und in vielen Formen und Erscheinungen auszugestalten, erfahrbar und praktikabel sein zu lassen, das ist und wäre die Aufgabe von Philosophie und von „phänomenologischer Gesundheitswissenschaft“.


Nochmal und grundsätzlich zur Situiertheit:

Alle Erfahrung ist eingebettet in Situationen. 

Es ist keine Wahrnehmung außerhalb der Situiertheit existent und möglich. (siehe Jaspers, Rombach, Sartre )

Und wenn sie es wäre, dann wäre dies die Situation.


Ich finde und befinde mich ohne Unterbrechung, von Anfang bis Ende meines Wahrnehmens, Existierens und Erlebens, in Situationen, ICH findet sich in Situationen vor, setzt sich stets in Situation und anhand einer grundsätzlichen Situiertheit. Der wahrgenommene Fluss der Situationen, deren Dynamik und „Ineinanderübergehen“, konstituiert die Selbstheit, als die ich mich begreife und als die ich agiere, anhand derer ich in jeder Situation konfrontiert bin und ein begegnendes ICH setze. 

(„ICH-Verlust“ bedeutet und folgt auf ein Abreißen des Situationsflusses, ich bleibe -bzw. ICH bleibt - in der Situation geradezu „hängen“, diese stagniert, verfestigt sich, engt und bedrängt durch absolute Un-mittelbarkeit, die ein „entselbstes“ Wahrnehmungsgeschehen zur Realisation seiner selbst nötigt - ohne personalpronomische Zuschreibung, ohne lineare Zeitlichkeit, in und anhand reiner Gegenwärtigkeit, der all das abgehen muss, was aus einer Situation MEINE Situiertheit erhellen kann…)


Sofern und alsbald diese fließende Dynamik abreisst, reißt auch der Faden, an dem das ICH hängt, an dem ich hänge und anhand dessen sich Dasein als meinhaftig ausweist.


Alle Einzelsituationen sind Momente der einen Grundsituation.

Diese schreibt sich je perspektivisch und subjektiv ein und bildet Hintergründe und Horizonte aus, vor denen sich Subjektivität erhellt. Einzelheit schattet sich vor Universalität und vor Ungetrenntem ab, Geschiedenheit vor Ungeschiedenheit (Individualität).


Die Einzelsituation ist Bestandteil der Grundsituation, die ursprünglich ist, womit auch die Situation des Einzelnen das Merkmal der Ursprünglichkeit aufweist und entfaltet.

Jegliche Gemeinsamkeit, alle Gemeinschaft und Gemeinschaftlichkeit, ist genuin an das Bestehen der einen Grundsituation gebunden.

Ich kann nicht fühlen, was du fühlst, weil ich mich nicht in deiner Situation be-finde, du nicht in meiner. 

Ich sehe und empfinde aber Einbettung und Zugehörigkeit der einzelnen (meiner, deiner, unserer) Situationen in und zu einer Grundsituation. 

Meine Situation ist ein Einzelnes eines strukturellen Ganzen, ebenso wie deine, dies macht uns zu gemeinsamen Akteuren, deren Handeln sich immer einer Idemität anzunähern sucht, da dies zur Selbstentfaltung des Phänomens gehört.

Emphase ist nur der Umweg, den wir auf uns nehmen, auf dem wir uns verlaufen und verirrt finden.


Empathie ist die sich an der Oberfläche bildende Haut jener fluidalen Essenz, die das Zueinander im Grunde in Fluss hält, die Begegnungen dynamisiert und so aus bloßer Konfrontiertheit wechselseitigen und gemeinsamen Angang destilliert.

Sich gemein machen muss der, der existentiell Getrenntheit setzt, Vereinzelung wahrnimmt und Isolation erfährt.

An Anfang und Ende wanken und taumeln stets die zugrundeliegenden und ausgelegten Menschenbilder.

Sie bleiben irgendwo stehen, wo sie dann ein Umbruch zu Fall bringt.



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Autor Florian Giesenhagen

Dipl.-Hygiagoge im Hygiagogik-Zentrum Nordwest

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