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ALL DIE MÜDIGKEIT

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NOVEMBER 23/2  #ALL DIE MÜDIGKEIT


Prozesse. Verläufe. Phasen und Tendenzen.

Seit Juli dieses Gefühl, bald schon beschleichend, mich zu vergreifen, im inneren und im äußeren TON, irgendwie minimal danebenzuliegen, in meinen Betrachtungen, Auffassungen, Empfindungen. 

Nicht wirklich und ausreichend durchzudringen, in die Tiefe dessen, was im Grunde sich ereignet und nur dort zu fassen ist. Unter dem Boden, der einem bricht.


Mich einerseits nicht aus-zudrücken, in der von mir geforderten Weise, im speziellen Modus des Blogs, der ersten Worte, und andererseits diese feine Nuance an mir vorbei zu fühlen und zu denken- und am Ende dann ja auch: zu texten. 

Knapp daneben, eben. Aber eben: daneben.


Das kann doch nicht ICH sein, der hier derart auftextet, der hier so aufbegehrt, in Wallung gerät und bei all diesem nach außen getragenen, inneren Aufruhr das vergisst, was immer da ist, immer da sein muss und soll, elementar und grundsätzlich, allem innewohnend und alles überhaupt veranlassend…

Liebe halt, nicht mehr, nicht weniger, so pathetisch und manieriert und affektiert sich das auch lesen mag,.

Es ist deshalb nicht weniger richtig und wichtig.

Ich darf das nicht vergessen. Mehr noch, ich muss mich daran erinnern, darauf berufen, anhand dessen auslegen.

Muss das als Gefühl und als Aktivität immer wieder und immer neu auch irgendwie verankern, als Ausgangspunkt, als Rückzugsort, als Basis, meines Handelns, meines Sehens, meines Urteilens und meiner vollumfänglichen Seinsauffasung. 


Weil sich alles auch darauf rückbezieht und daran rückzubinden sucht und vermag. Weil das die eigentliche und essentielle Anreicherung alles Lebens und alles Lebendigen ist. Weil es den Unterschied macht. Einfach nur deshalb.


Aber alles andere - all das, was auch stattfindet, was ich auch wahrnehme und lebe und ins Sein befördere, ob wollen oder nicht, ob ich das goutiere oder nicht, das ist womöglich ebenso Bestandteil eines eigenen, mir eigenseienden und genuinen Gestaltungspotentials, liegt auch im Rahmen der eigenen, potentiellen Produktionsprozesse, die unmittelbar an das Empfinden gekoppelt- und an die Urteilsinstanzen angebunden sind.

All das, was da seit Juli sichtbar wird, ist Bestandteil eines Existenzials, ist Folge eigener Entscheidungen, ist immer auch: Möglichkeit.

Entwürfe, anhand dessen sich das eigene Entgegentreten, Existieren, Gestalten und Wahrnehmen auslegt und ausgelegt hat, Abträge dessen, wie Wirklichkeit aufgefasst ist und wie Realität vereinbart wird - oder eben auch nicht.


Noch keine Verachtung, aber auch nicht mehr wirklich Achtung, nicht wirklich respektlos, aber auch nicht mehr voller Respekt.

SO NICHT DENKEN WOLLEN, das nicht sehen und fühlen wollen, dahin mich nicht getrieben sehen - und hierhin überhaupt

schonmal gar nicht gelangen und mich dort nicht länger aufhalten wollen. 

In diesen Begehungsräumen fühle ich mich fremd, auch wenn und gerade weil ich sie selber habe existent werden lassen.

Gegen all das anschreiben müssen, antexten wollen, Aufruhr initiieren und dann gegen sich selbst richten.


Es sind immer nur kurze Momente, Augenblicke bald, vergängliche Seinsweisen von Einkehr und maximaler Wachheit,

in denen ich merke, dass du fehlst, wo mir dieser Umstand nicht als Solches und als Gedanke begegnet,

sondern mich als reines Gefühl konfrontiert, betrifft, geradezu AN-geht.


Und das muss so sein, ich bin dazu nicht bemächtigt, Empfindungen zu denken, „die Ratio“ oder irgendeinen Quatsch zu beauftragen, um etwas zu reflektieren, was im Grunde sich nur emotional zeigen kann, nur insofern etwas aufreisst und aufzeigt, was im Alltagsmatsch immer tiefer eingegraben wird, durch die eigenen Spuren und Wege, von den eigenen Quadratlatschen der Versachlichung plattgetrampelt.


Mehr Zartheit, bittesehr. Mehr Taumel, Bruch und Widerstand.

Tasten, nicht Grabschen, Gefühl, nicht Affekt, Betroffen - nicht Beleidigtsein, berühren und nicht anfassen…

Und nicht ständig angefasst sein, von Allen und Allem.

Mehr lieben, halt. Immer wieder, voll auf die 12, mitten rein, ohne Scham und Zurückhaltung, mutig sein und direkt reinfühlen, etwas seinlassen, indem ich seinlasse, loslasse, von irgendetwas, von was denn eigentlich?


Alles ist immer auch eingefärbt von einer situativen und perspektivischen Stimmung, einer Art und Weise, gestimmt zu sein, sich gestimmt und bestimmt und mit Stimme versehen zu haben, bestenfalls mit einer, die ent-spricht, einer Stimme der Ent-Sprechung.


Und ich bin mir sicher, etwas zu übersehen, weil da immer etwas übersehen ist, weil das wesenhaft ist, für all diese Prozesse, für die blinden Flecken, weil sie erst sichtbar werden können, wenn sie nicht mehr gegenwärtig und identisch mit der eigenen Perspektivität und Situiertheit sind.


Sowieso, die Perspektiven.

Wer war das neulich, welcher Politiker hat sich irgendwo „enthalten“, Baerbock?

Enthaltung erzeugt Wesensfremdheit. Es kann keine neutrale Sicht auf Dinge geben, weil Wahrnehmung und Wirklichkeit immer schon aufgefasst und in sich perspektivisch angelegt sind, vor Hintergründen und Horizonten ausgelegt.

Ein Schiedsrichter kann nicht neutral sein, kann nicht keine Partei ergreifen. Er kann sich nur darum bemühen, BEIDE Parteien in gleichem Maße zu vertreten, aus beiden Perspektiven zu betrachten, beide Seiten zu sehen.

Nicht einmal die Schweiz ist neutral. 

Die Schweiz vertritt stets das Schweizer Interesse (zumeist in ökonomischer Hin-Sicht), nicht aber irgendein anderes. 

Das ist die „Neutralität“ der Schweiz.


Ent-Haltung bedeutete dann das Ende der Haltung? 

Jedenfalls wäre es angemessener, statt einer Enthaltung, die Möglichkeit der Vergabe von zwei oder mehreren Stimmen zu installieren.


Und wieder müde.

Müde und unruhig, unangenehmste Verfassung, auch, weil das exakte Gegenteil so erfüllend ist: 

Wach und ruhig, ein ruhiger, wacher Geist in einem ruhigen und wachen Sensorium.

Bin schon wieder abgedriftet, im Denken, hab das Denken wieder genutzt, um mich zu entfernen, um Distanz zu schaffen, zwischen mir und dem, was mich wirklich konfrontiert, was mich betrifft und emotional angeht.

Kriege das nicht wirklich zu fassen, es gleitet mir durch meine Finger. 


All die Situationen im Alltag, die über Jahre auch durch deine Existenz und Präsenz gekennzeichnet waren, all die Erinnerungen und die Bilder, all die Orte, die ich mit dir verbinde. Alles muss sich verändern, alles wird sich verändern, mit oder ohne dich, das ist ein Wesenszug des Daseins - aber die Versuche und Illusionen des Festhaltenkönnens, nicht Loslassenwollens, die sind schon sehr präsent und eigentümlich, immer wieder durchzogen von einem in Kraftakten aktivierten Willen, ebendiese Veränderungen und Bewegungen ja eigentlich auch und sogar zu wollen, zu begrüßen, sie als neue Freiheit aufzufassen, zu begreifen, zu verklären.

Diese Spannung, zwischen der Trauer und dem Aufbegehren, die ist irgendwie reißend und ermüdend, obschon sie ja eigentlich dynamisieren sollte, so als Spannung gedacht…

Aber es ist schon eher eine, die einspannt, nicht bewegt, die drückt und zieht und reisst und an Substanzen geht, sich an mir bedient und abträgt, permanent und immer wieder etwas abträgt, was sich als zarte Haut oder Membran über die Dinge und deren Vergänglichkeit, über Melancholie und das Wehtun legen will.


Dann blicke ich in andere Richtungen, und sehe, dass ja eigentlich alles Nahe gut ist, während vieles in der Ferne einstürzt und zusammenbricht, während immer deutlicher ein Gefühl von Bedrohlichkeit sich andeutet, sich auf die Dinge und Ereignisse legt, wie eine dunkle Firnis all das überzieht, was sichtbar und gegenwärtig ist.

Aber da ist T, da ist J, da sind ganz viele andere Menschen, denen ich zugeneigt bin und die ich schätze und mag und die da sind, die immer noch hier sind, die nicht gegangen sind und das auch nicht werden.


Fast überall, wo ich hinsehen kann, ist es viel, viel ärger, als hier, bei mir, bei dir, bei uns, mit euch.


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Autor Florian Giesenhagen

Dipl.-Hygiagoge im Hygiagogik-Zentrum Nordwest

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