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ob ich will

Blog Single

februar 26/1   # ob ich will


Freitag, 26.2.26 


8h52

Vorhin generierte der Zufall „Landslide“ auf meine Kopfhörer.

Nicht von den Pumpkins, aus den Neunzigern, sondern das Original, von Fleetwood Mac, in einer Live-Version.

Da kam dann wieder eine Stimmung auf, eine Gefühlslage, der ich nur noch folgen musste und konnte.

Bilder entstehen plötzlich, von einem Heißluftballon, in dessen Korb wir gemeinsam sitzen, hinunterschauend auf die Brände, die Verwesung und Kaputtheit, wir sitzen einfach zusammen und beieinander da, schweben darüber hinweg, hoch genug, immer hoch genug…

Unmittelbar drängt sich dann bei der Niederschrift dieses Erlebens die Scham dazwischen, will alles viel kleiner machen und relativieren, will weiten Abstand schaffen zu Romantik und Pathetik, was in 75 von 100 Fällen auch richtig und angemessen ist oder wäre, hier und jetzt aber denke ich irgendwann „NEIN“, bzw. „DOCH“, genau so muss es geschrieben und gelesen sein, genauso unmittelbar, aufrichtig und wie von selbst, ebenso, wie es erfahren war und vermittelt gehört. Dann schäme ich mich kurz, aber ausgiebig, für meine Scham.


Was zu sagen ist, stellt nicht das Problem dar. Es ist immer der Ton, den es noch zu treffen gilt. Aussage und Inhalt, ebenso und zuvorderst die Intention, sind klar und bilden sich organisch. Die Tonalität aber, die Melodie des Sprechens und des Sagens, die muss immer noch gefunden werden, einfach so. VON SELBST. Weil er entstehen muss, der TEXT, seine Textur, weil da Durchlässigkeit sein muss, von allen Seiten, in alle Richtungen, eine, die sich nicht anmeldet und die niemals lange bleibt.


10h08

Das Wegfallen der Langfristigkeit, als Erfahrung und als Hin-Sicht, scheint langfristig zu sein, nachhaltig und wirkungsvoll. Das mischt die Lebenswelt gehörig auf, wie auch die eigene Wirklichkeit, das Erleben, die Fassung, im Sinne eines wesentlichen Herangehens und Hinblickes, einer profunden Perspektivität, die Anpassungen an sich verändernde Horizonte und Hintergründe sucht, und auch immer wieder findet.


12h49

Da sind ganz plötzlich Fatalismen, dich angrinsend, hedonistische Tendenzen, manchmal sogar Nihilismus. 

Das alles gilt es abzuwägen, um es schließlich abzulehnen, zu verwerfen. 

Ich brauche keine Programmatik, keine Dogmen, keinen Ismus. Nichts, was mich in Absolutes treibt. 

Einfach Vorbeiwinken. Und Weitermachen. Weil…


14h22

Die Irritation ist ja da, ist vernommen und angenommen, scheint reflektiert. Sie wirkt bereits, sie bewirkt Bewegung und sie dynamisiert die Interaktionen und Begegnungen. 

Die Tiefen sind schon aufgewühlt.


17h56

Vielleicht hat es nicht nur mit der Gegenwart, mit den Situationen und Konstellationen zu tun. Womöglich ist diese Zahl, die 50, einflussreich? Es kommt und erscheint als neue Erfahrung, Vergänglichkeit nicht nur zu wissen, sie vielmehr zu begreifen und durchdringen, Zeitlichkeit zu spüren, und im Grunde auch, in Parallelität, zu erleben. 

Es ist nicht negativ, nicht schlimm, das alles. 

Eher eben: irritierend.

Seltsam und merk-würdig, im eigentlichen Sinne.


Es verflüchtigt sich die Schwere, die Unbedingtheit, die da auf den Dingen und dem Leben liegt, die da immer so drauf klebt, die gewichtet und belastet, ebenso die Bedrohlichkeit, die zwar noch keine Angst geworden ist, die trotzdem immer gedrückt hat und das potentiell Spielerische zu sehr auflud und existentialiserte, die zerrte und zog, die immer alles abzustumpfen und durch Überhöhung zu entwerten vermochte.


20h44

Jeden Morgen aufwachen und die Absicht entwickeln,

gegen Alles anzuwirken, das an den eigenen Zornherden noch zündelt, das Verdrießlichkeit bewirkt, und die noch zu entstehenden Zuversichten einfach schon mal vorsorglich plattwalzt, bevor diese überhaupt gewichtig werden können.


Einfach nur mit dem Verfügbaren arbeiten, mit jenem, das vor-und zuhanden ist, mutig und aus vollem und von ganzem Herzen, gegen all die Verderbnis und Verwahrlosung, gegen diese ganze Jauche, die da momentan und täglich und progredient von uns auf uns herabregnet, gegen alles, das wir uns gegenseitig und selber antun, gegen die Verachtung und die Unaufrichtigkeit, gegen all das endlich eine Inbrunst aufzubieten, sich in die eigene Brust werfen und willentlich und vorsätzlich gegenanzulieben und voranzuleben, nicht aus einer Not heraus, eher schon anhand und mittels eines Willens, dessen Aktivierung dieses Widerstandes noch bedurfte, der sich daran abzustoßen hatte und der umso massiver wirkt, wie er je noch kleingehalten zu werden droht.


22h32

Ich will beim Einschlafen die Füße behaglich aneinanderreiben, 

mich darüber freuen, diesen Tag und seine Situationen, die Momente und die Begegnungen, völlig wach und zugewandt erlebt und empfunden zu haben.


Ich will heute, einmal wenigstens, den Blitz erahnt haben, diesen zarten und fragilen Umschlag, kaum merklich, nur spürbar, indem man davon angehaucht wird, von seinen Fliehkräften, von seinem Vorbeiwehen, wenn er das Erkennen begleitet und markiert, den Blick und das Sehen manifestiert, verbindet und beschließt, immer schon gleichzeitig, alles beinahe zur selben Zeit, im Sinne dessen, was zwischen einem Vor-und einem Nachher liegen mag. 

Vielleicht konnte ich es auch kurz und flüchtig tasten oder fassen, das warme, goldene Licht, das da fließt und strömt, immer, in Allem, durch Alles, durch Alle.


23h18

Ich will es wirklich erfahren haben, heute, dass Alles aus und in Einem ist, jedes Jedem zugehörig, alles einander anvertraut, bezogen aufeinander, reagierend, antwortend.

Ich möchte die Räume und die Resonanz geblickt haben. 


Und ich muss mich immer wieder und immer neu entscheiden, gestern, heute, morgen, in dieser und in jeder nächsten Situtiertheit. 

Muss man sich bekennen, immer, grundsätzlich und situativ? 


Nein, anders: vielleicht bekennen wir uns ausnahmslos, immer schon und jederzeit, wir antworten und entscheiden, meistens aber nicht willentlich und wissentlich, eher fahrlässig denn vorsätzlich, bald schon verweigernd und negierend, affektiv verdrängend, orientierungslos und flüchtend Wege einschlagend, die dadurch erst begehbar sind.

  

23h58

Und ich will dich gesehen haben, wirklich gesehen.

Gefühlt, erfahren, und erlebt.

Ich will dich heute geliebt haben. 

Schon wieder.

Und dass wir uns gelungen sind - nicht trotz-, sondern gerade wegen-…


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Autor Florian Giesenhagen

Dipl.-Hygiagoge im Hygiagogik-Zentrum Nordwest

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